5 Fragen für deinen Weg zum „Food Freedom“

Food Freedom erreichen. Die Freiheit alles essen zu können was du essen möchtest. Du darfst JA und NEIN sagen zum Verzehr bestimmter Lebensmittel. Du lernst dich so gut kennen, dass dies kein Problem mehr ist.

Dr. Jessica von Recum von younu – your unique nutrition bereichert uns hier mit einem Beitrag zu diesem Thema und hilft bestimmt auch Dir im Prozess zu dieser Freiheit.

Food Freedom erlangen – es ist dein Körper

Was genau ist Food Freedom?

Hast Du schon mal eine Tafel Schokolade oder eine Packung Chips geöffnet, weil Du richtig Lust darauf hattest, und dann nur soviel davon gegessen wie Du wirklich genießen konntest, um dann den Rest für später wegzulegen? Das ist das Konzept, das hinter dem Begriff „Food Freedom“ steckt.

Die ursprüngliche Definition von Food Freedom lautet: „Das Gefühl, Kontrolle darüber zu haben was man isst, anstatt sich vom Essen kontrollieren zu lassen.“ Das Wort „Kontrolle“ hat jedoch für viele Menschen eine negative Assoziation. Daher hat Melissa Urban – Co-Gründerin und CEO von Whole30 – im Jahr 2021 eine neue Definition des Konzepts vorgestellt: „Food Freedom bedeutet, sich befähigt zu fühlen beim Essen die richtigen Entscheidungen für sich zu treffen und sich selbst zu vertrauen, diese Entscheidungen zu treffen.“

Was genau ist damit gemeint? Es geht im Grunde einfach darum, bewusst zu essen, anstatt nebenbei und automatisch Essen in sich hineinzuschaufeln. Eine Person, die im Food Freedom lebt, sagt nicht einfach automatisch „ja“, wenn ihr etwas zu essen oder zu trinken angeboten wird.

Sie fühlt keinen „Gruppenzwang“ und es ist ihr auch nicht unangenehm, „Nein, danke.“ zu sagen, wenn sie in dem Moment ein bestimmtes Nahrungsmittel ablehnt. Die Person weiß, welche Lebensmittel ihr gut tun und welche Lebensmittel sie müde oder aufgebläht machen, wovon sie schlechte Haut oder schlechte Laune bekommt, was ihre chronischen Leiden schlimmer werden lässt und bei welchen Lebensmitteln sie Schwierigkeiten hat, die Packung wieder weg zu legen.

Mit all diesem Wissen im Hinterkopf kann die Person situativ für sich entscheiden „Ist es mir das wert? Möchte ich xy jetzt gerade wirklich essen?“ Lautet die Antwort ja, genießt die Person besagtes Lebensmittel ohne Reue oder schlechtes Gewissen in der Menge, die sich in dem Moment gut anfühlt. Lautet die Antwort nein, isst sie besagtes Lebensmittel nicht und es ist auch völlig in Ordnung.

Lebensmittel haben keine Moral. „Es gibt keine schlechten Lebensmittel, nur schlechte Essgewohnheiten.“ (Alton Brown)

Genauso wenig ist ein Mensch „gut“, wenn er Salat isst oder „schlecht“, wenn er Pommes isst. Im Konzept des “Food Freedoms” ist alles rund um die Ernährung einfach eine bewusste Entscheidung und jede Entscheidung hat nun einmal gewisse Konsequenzen. Beispiel: ich persönlich vertrage keine Milchprodukte. Gar nicht. Ich merke den Genuss von beispielsweise Eiscreme sowohl bei der Verdauung als auch bei meiner Haut. Heißt das, ich esse mein ganzes Leben lang keine Milchprodukte? Nein!

Im Sommer mit meiner 3-jährigen Tochter in der Eisdiele zu sitzen und verschiedene Sorten Eis zu bestellen, damit sie mit strahlenden Augen alle probieren und mit Mama teilen kann, ist Quality Time mit der Familie und mir persönlich jede Hautunreinheit wert, die sich anschließend bemerkbar macht. Eiscreme direkt aus der Verpackung abends allein auf der Couch vor dem Fernseher ohne auch nur darüber nachzudenken, ob sie eigentlich schmeckt? Nein, danke, für mich nicht.

Der Kontext ist wichtig.

Wie komme ich dorthin?

Melissa Urban würde sagen „Es gibt keinen Food Freedom ohne Wiedereinführung.“ Bevor ich ein Lebensmittel wiedereinführen kann, muss ich es jedoch erst einmal eliminieren. Daher ist der Food Freedom Plan ein Prozess mit drei Schritten: Reset, Wiedereinführung, Food Freedom. Wiederholung nach Bedarf.

Zunächst planst Du Deinen persönlichen 30-tägigen Reset in dem all jene Lebensmittelgruppen eliminiert werden, die Dir potentiell schaden könnten. Bei der 30 Tage Challenge von Paleo360 sind das: zugesetzter Zucker, Alkohol, Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte.

Hast Du die 30 Tage absolviert, startet der spannende Teil: die Wiedereinführung. Diese wird gerne übersprungen, verkürzt oder vereinfacht, ist aber eigentlich genauso wichtig wie die Elimination. Denn das ist der Teil, in dem Du lernst, wie Dich bestimmte Lebensmittel beeinflussen.

Als Wissenschaftlerin empfehle ich daher, diese Phase so akribisch wie möglich zu planen und durchzuführen. Der Zustand in dem Du Dich nach Deinem Reset befindest, ist der Kontrollzustand. Im Idealfall geht es Dir super!

Du siehst toll aus, schläfst gut, bist fit und voller Energie. Diesen Zustand möchtest Du natürlich beibehalten! Aber vielleicht vermisst du bestimmte Lebensmittel und möchtest gar nicht auf diese dauerhaft verzichten. Daher fängst Du nun an zu experimentieren und führst einzelne Lebensmittel(gruppen) systematisch und separat voneinander wieder ein – wie geht es Dir damit? Was macht glutenfreies Getreide mit Deiner Energie? Fühlt sich die Entzündung in Deinem Knie, die Du wochenlang nicht gespürt hast, wieder schlimmer an, wenn Du Milchprodukte zu Dir genommen hast? Merkst Du Gluten bei Deiner Verdauung?

Und schmeckt Dir so ein übermäßig gezuckter Paleo Riegel überhaupt noch, wenn Deine Geschmacksknospen sich mal eine Weile an natürliche Süße gewöhnt haben? Sei Dein eigener Wissenschaftler und finde es heraus!

Diese Phase dauert ca. 10-14 Tage (auf Wunsch auch länger) und kann Dir die wertvollsten Erkenntnisse für Deinen persönlichen Food Freedom liefern. Nur, wenn Du weißt wie ein Lebensmittel Dich beeinflusst, kannst Du eine bewusste Entscheidung darüber treffen, ob Du es zu Dir nehmen möchtest oder nicht.

Ist Food Freedom ein Dauerzustand?

Nein. Food Freedom ist eine Reise, keine Destination. Das ist aber gar nicht schlimm, sondern der spaßige Teil. Dinge ändern sich über die Zeit und es lohnt sich immer mal wieder zu testen: „Wieviel xy kann ich essen und mich immer noch so gut fühlen, wie ich möchte?“ Es geht gar nicht darum, ständig nur „gesund“ zu essen – Essen ist ja auch Kultur, Genuss und Spaß! Die Freude daran sollte erhalten bleiben. Oder sich neu ausbilden bei Menschen, die bisher eher von Gefühlen der Scham und Schuld geplagt wurden, wenn sie bestimmte Lebensmittel gegessen haben.

Food Freedom ist etwas, das man nicht falsch machen kann. Es ist ein Prozess. Manchmal trifft man eine Entscheidung und im Nachhinein stellt sich heraus, dass sie falsch war. Die Konsequenzen waren anders oder stärker als erwartet und im Nachhinein hätte man xy vielleicht doch nicht essen sollen. Na und?! Kein Grund für ein schlechtes Gewissen, sondern eine wertvolle Lektion. Du hast Daten gesammelt, die Dir das nächste Mal, wenn Du vor einer ähnlichen Entscheidung stehst, helfen werden.

Nur so kommt man weiter und aus vermeintlichen Fehlern gewinnt man die meisten Erkenntnisse!

Was, wenn ich zu gestresst bin, um mich mit meiner Ernährung zu beschäftigen?

Sollten sich alte Gewohnheiten wieder einschleichen und Du findest Dich plötzlich vor der leeren Chipstüte wieder obwohl Du genau weißt, dass Du am nächsten Morgen schlecht gelaunt und aufgebläht aus dem Bett steigst ohne Dich bewusst dafür entschieden oder den Prozess auch nur genossen zu haben – setzt Du einfach einen neuen Reset an. Wer das Programm mindestens einmal komplett durchgeführt hat, kommt in der Zukunft oft mit kürzeren Mini-Resets aus.

Meist reichen dann schon 3, 5 oder 10 Tage, damit Du Dich wieder daran erinnerst wie gut Du Dich eigentlich fühlen kannst und wie wichtig die „Ist es mir das wert?“-Frage ist. Auch das ist ein normaler Teil des Plans.

Jeder Mensch hat Zeiten in seinem Leben, in denen die ganze „Ist es mir das wert?“-Frage einfach zu anstrengend ist. Du bist müde, gestresst, genervt oder krank und greifst auf Gewohnheiten zurück, die sich über Jahrzehnte etabliert haben. Natürlich helfen Dir Bier und Chips oder Wein und Schokolade nicht wirklich weiter – und das weißt Du auch. Manchmal ist es Dir aber vielleicht auch ein Stück weit egal und andere Dinge haben gerade Priorität.

Das ist dann allerdings keine wirkliche Freiheit mehr… Eher die Akzeptanz, dass Du gerade keine Nerven hast, Deinen Food Freedom Plan zu verfolgen. Wenn sich das ändert und Du wieder dahin zurück möchtest, dass Du Dich energiegeladen, fit und fokussiert fühlst, plane Deinen (Mini-) Reset und hol Dir Deinen Food Freedom zurück! Dein individueller Reset ist immer Dein Sicherheitsnetz in das Du Dich bei Bedarf fallen lassen kannst.

Aber nichts im Leben funktioniert ohne ein wenig Pflege und Aufmerksamkeit – auch Dein Food Freedom nicht.

Gibt es noch andere Bereiche, auf die ich achten kann, um meinen Food Freedom zu unterstützen?

Natürlich. Ein Sicherheitsnetz ist kein Trampolin. Das heißt Du sollst auch nicht mehrmals im Jahr eine 30 Tage Challenge durchführen und dazwischen ohne Nachzudenken alles essen. Wenn Du Deinen Reset als eine Art Jojo benutzt, ist es sehr wahrscheinlich, dass da noch etwas anderes vor sich geht, das Deinen Food Freedom verhindert.

Benutzt Du Lebensmittel vielleicht als etwas anderes als zur reinen Nahrungsaufnahme? Isst Du aus Stress, Frust, Langeweile oder zur „Belohnung“? Dann wird es Zeit, Deine Essgewohnheiten etwas stärker zu hinterfragen. Bevor Du zum Schokoriegel greifst, stelle Dir die folgende Frage: „Was brauche ich in diesem Moment wirklich?“ Tipp: Sehr wahrscheinlich wird es nicht der Schokoriegel sein. Hättest Du echten Hunger, wäre die Vorstellung von einer Hackfleischpfanne mit Gemüse oder Lachs mit Kartoffeln (oder was auch immer Du gerne isst) verlockend.

Ist dies nicht der Fall, aber Schokolade, Chips und Co. klingen prima, handelt es sich evtl. um „emotionales Essen“ und vermutlich brauchst Du eher eine Umarmung, ein gutes Gespräch, eine Nacht mit vollen 7 Stunden Schlaf oder einen Spaziergang als Schokolade…

Daher sind auch Punkte wie Achtsamkeit, sich selbst besser kennenzulernen, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen und Strategien zu entwickeln, diese mit alternativen Ansätzen als dem Essen zu stillen, wichtige Bausteine auf dem Weg zu Deinem persönlichen Food Freedom. Wie gesagt – Food Freedom ist eine Reise, keine Destination. Sei verständnisvoll mit Dir selbst und nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.

 

Du möchtest mehr über Food Freedom und diese Reise erfahren? Besuche Jessica auf ihrer Webseite younu und buche bei Bedarf ein Coaching bei ihr.

 

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Geschrieben von Anja

Anja hat Ernährungswissenschaften (B.Sc.) und Toxikologie (M.Sc.) studiert und beschäftigt sich seit 2015 mit dem Paleo-Gedanken und Paleo-Lebensstil, der ihr unter anderem ein wunderbares Mindset für den Alltag, ihre Arbeit und auch den Ausdauer- und Kraftsport bringt. Alles in allem beschäftigt sie wie der Mensch wieder einen integrativen Lebensstil mit der Natur leben kann – unter Einbezug auch moderner Errungenschaften.
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