Multiple Sklerose – Symptome & Therapie bei MS

Unheilbar und Ursache unbekannt: Diese Worte haben sicherlich viele Betroffene und Angehörige nach der Diagnose Multiple Sklerose (MS) gehört und gelesen. Doch sind die Optionen etwas gegen eine Autoimmunerkrankung zu unternehmen wirklich so rar, wie sie erscheinen? Denn: Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass der Lebensstil und eben auch die Ernährungsweise einen größeren Einfluss auf chronische, entzündliche Krankheiten haben, als viele wahrhaben möchten.

Wissenschaftler und selber Betroffene wie Dr. Terry Wahls und der Pharmakologe Christoph Lenz haben nach der eigenen Diagnose Multiple Sklerose die Literatur gewälzt, Neues ausprobiert und die Erfahrung gemacht: Das Leben zu ändern lohnt sich, und zwar so richtig. Durch die Anwendung ihres Wissens konnten Symptome erfolgreich verbessert und Krankheitsverläufe gebremst (sogar in Remission gebracht) werden.

Was wir ausdrücken wollen: Die Gesundheit und der Verlauf von MS in die eigene Hand zu nehmen kann sich lohnen. Das Leben ändern und sich auf den eigenen Weg begeben – vielleicht ist es auch das Richtige für dich?

Die Umstellung auf eine geeignete Ernährung ist dabei der Anfang, gerne auch mit unserer Unterstützung. Und fällt der Gedanke an neue Ernährungsgewohnheiten schwer, kann man sich fragen: Was hat man schon zu verlieren?

Bevor wir zwei Erfahrungsberichte von Betroffenen und deren praktische Tipps im Umgang mit der Krankheit vorstellen, gibt es einen kurzen theoretischen Überblick über die Krankheit Multiple Sklerose.

Multiple Sklerosis

Multiple Sklerosis: Die Ernährung kann helfen

Multiple Sklerose (MS) – Symptome und Therapie

Multiple Sklerose (MS, med.: Encephalomyelitis disseminata) wird in der Medizin als Autoimmunerkrankung klassifiziert. Weitere Autoimmunkrankheiten sind bspw. Hashimoto, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und Rheumatoide Arthritis.

Sogenannte Entmarkungsherde in der weißen Substanz des Gehirns und im Rückenmark sind typische Kennzeichen für die Krankheit, die mittels eines MRT  (Magnetresonanztomographie) bei Betroffenen sichtbar gemacht werden können. Bestimmte Prozesse des Immunsystems (als Entzündungen bezeichnet) verursachen Schäden an den Myelinscheiden der Nervenzellfortsätze und beeinträchtigen somit die normale Funktion der Erregungsweiterleitung im Nervensystem.

Da die entzündlichen Herde im gesamten zentralen Nervensystem auftreten und somit die verschiedensten Bereiche betreffen können, sind die auftretenden neurologischen Symptome divers. Aus diesem Grund wird MS auch als die Krankheit der 1000 Gesichter genannt.

Typische erste MS Symptome und Anzeichen der Krankheit sind:

  • Empfindungsstörungen an Armen oder Beinen
  • Sehstörungen
  • Kraftlosigkeit
  • Lähmungen

Die genetische Veranlagung ( z.B. Vitamin D Rezeptor Veränderungen/Polymorphismen) spielt bei dem Ausbruch einer Multipler Sklerose eine Rolle, aber auch Infektionen mit Borrelien, dem Eppstein Barr Virus o.Ä, geringe Vitamin D-Spiegel sowie die Zusammensetzung des Darm Mikrobioms und der Zustand der Darmbarriere sind in der Diskussion, einen Einfluss bei der Entstehung von MS zu haben.

Genauer untersucht wird auch das Zusammenspiel zwischen Krebs- und Immunzellen – interessant ist bspw. die Theorie, dass Autoimmunerkrankungen die Folge einer erfolgreichen, aber „aus dem Ruder gelaufenden Krebsbekämpfungsmaßnahme“ des Körper sein könnten. Auch die Epigenetik ist womöglich nicht zu unterschätzen, also wie bspw. deine Lebensweise die Aktivierung oder auch Deaktivierung von Vorgängen an Genen unterstützt. Deine genetischen Veranlagungen sind demnach nicht dein Schicksal!

Konventionell können bei Multipler Sklerose bspw. Interferon Therapien angewandt werden. muExperimentelle Therapien sind auch Stuhl- Transplantationen – sie sind aber auf Grund der wenig berechenbaren Nebenwirkungen (z.B. ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken) zumindest nicht im Alleingang zu empfehlen. Mit professioneller Unterstützung sicherlich eine Option, dennoch sind die ersten Schritte auf dem Weg zur Besserung einfacher. Wir wir bereits andeuteten: Der erste Schritt kann eine Ernährungsumstellung sein.

Mit einer Ernährungsumstellung auf Paleo entscheidet man sich, Entzündungsherde durch die Ernährung bzw. Lebensweise zu lindern und das Immunsystem und entzündliche Prozesse zu „beruhigen“.

Paleo ist eine anti-inflammatorische Ernährung und unterstützt den Körper und das Immunsystem dabei, Entzündungen im Körper zu lindern, die natürlichen Barrieren des Körpers zu stärken und dem Körper die Bausteine zu liefern, die er für einen ausbalancierten Stoffwechsel benötigt.

Zwei Erfahrungsberichte:

Dr. Terry Wahls: nährt eure Mitochondrien

Dr. Terry Wahls, selbst von MS betroffen, saß bereits im Rollstuhl und nahm verschiedene Medikamente – ohne Aussicht auf großartige Verbesserungen. In der Literatur recherchierte sie was ihr neben typischen Ansichten der konventionellen Medizin helfen könnte – und konnte einige Nährstoffe herausstellen, die ihr für ihren Stoffwechsel besonders notwendig erschienen.

Die Konsequenz ihrer Erkenntnisse war eine Ernährungsumstellung angelehnt an die Richtlinien von Paleo, gleichzeitig änderte sie auch Weiteres in der Lebensweise. Bereits nach wenigen Monaten konnte sie wieder gehen und gewann deutlich an Lebensqualität.

Ihre Ernährung fokussiert auf den täglichen Verzehr von grünem Gemüse für Vitamine und Mineralstoffe, mit einem besonderen Fokus auf schwefelreichen Gemüse aus der Kohlfamilie, Zwiebeln, Knoblauch und Pilzen, generell viel buntes Gemüse und Obst u.a. als Quelle für Antioxidantien. Wild gefangener Fisch, Meerestiere und Fleisch aus artgerechterer Haltung gehören regelmäßig auf den Speiseplan. Auch Innereien sind ein wichtiger Teil einer abwechslungsreichen und „heilenden“ Ernährung des sogenannten The Wahls Protocol. Wichtig sei es auch auf ausreichend Jod zu achten (aus natürlichen Quellen wie Meersalz oder auch Algen und Algenprodukten – z.B. Nori, Kelp). Fertiglebensmittel, Getreide- und Milchprodukte sollen gemieden werden.

Im The Wahls Protocol wird weiterhin betont, wie wichtig es ist, ausreichend Nährstoffe und „die richtigen“ Fettsäuren (ausreichende Versorgung mit Omega 3 Fettsäuren, meiden von Omega 6 reichen Ölen) aufzunehmen – vor allem um die Funktion der Mitochondrien zu unterstützen und die Nervenzellen ausreichend mit Myelin ummanteln zu können. Damit die Erregungsweiterleitungsprozesse gut funktionieren können benötigt der Körper weiterhin ausreichend Protein, insbesondere wegen der Aminosäuren Threonin und Cystein – bspw. um Neurotransmitter wie GABA (gamma-Aminobuttersäure) bilden zu können.

Das Motto der Ernährung wird deutlich: Der Körper kann nur das an Strukturen aufbauen und erhalten, wofür er auch die Bausteine hat.

Dr. Terry Wahls hat ihre Erkenntnisse zum Zusammenhang von Ernährung-und Lebensweise mit Krankheiten als das –  „The Wahls Protocol“ – veröffentlicht. Auf einer TedX Veranstaltung hielt sie einen lehrreichen und motivierenden Beitrag über ihren Weg:

Christoph´s Weg und Leben mit Multipler Sklerose

Auch Christoph Lenz lebt seit einigen Jahren den Paleo Lebensstil und teilt seine Geschichte, damit viele weitere seine Erfahrungen für den eigenen Weg nutzen können.

Christoph hat sich bereits vor der eigenen Diagnose mit MS mit der Krankheit auseinander setzen müssen. Sein Vater erkrankte an der Autoimmunerkrankung und starb womöglich an den Komplikationen der Behandlung.

In seiner Zeit bei der Bundeswehr fing es eines Tages bei Christoph an: Er bemerkte ein Kribbeln in den Fingern und konnte einen Fuß nur noch eingeschränkt heben. Mit der Familiengeschichte im Hinterkopf lies er sich untersuchen. Die Bundeswehr nutzte alle Ressourcen und stellte Christoph „auf den Kopf“, eine eindeutige Diagnose konnte jedoch nicht gestellt werden. Auf Grund seiner Vorgeschichte dachte er natürlich bereits an MS und entschied sich anschließend für einen gesünderen Lebensstil mit mehr Bewegung. Laufen und Rad fahren machten ihn fitter denn je.

Etwa 10 Jahre später, in einer stressigen und arbeitsreichen Lebensphase durch Studiumsabschluss, Zahn-OP und Infektionen machte sich das Nervensystem durch neurologische Störungen erneut bemerkbar. Sein Sehnerv und Augenmuskel schienen betroffen, er nahm die Umgebung doppelt wahr und konnte ein Auge nicht mehr nach außen stellen. Auch das Kribbeln in den Fingern war zurück, diesmal nur stärker und beeinträchtigender.

Was folgte waren eine Reihe von Untersuchungen: u.a. Lumpalpunktion und MRT. Im MRT sahen die Ärzte die typischen Entzündungsherde im Gehirn, die auf eine Multiple Sklerose hinweisen. Die Differentialdiagnose hieß: primär progrediente Multiple Sklerose, die verbreitete verlaufende Form der Krankheit.

Für Christoph wurde eine Interferon-Therapie angesetzt, die auch Besserung brachte. Als Nebenwirkung traten grippeartige Anfälle auf, die jedoch nach einiger Zeit verschwanden. Ließ die Wirkung der Behandlung auf die Erkrankung etwa auch nach?

Auf der Suche nach weiterer Verbesserung seines Gesundheitszustandes und Alternativen zur konventionellen Behandlung wurde Christoph auf das Ernährungskonzept „Metabolic Balance“ aufmerksam. Einige Zeit später erfährt er von Paleo, absolviert die 30 Tage der Challenge, aus denen ganz schnell 90 Tage wurden – und schließlich ein ganzer Lebensstil.

Christoph stellte sein Leben auf den Kopf – im wahrsten Sinne des Wortes – in dem er auf die Südhalbkugel zog. Es war wohl eine seiner schwierigsten, aber auch besten Entscheidungen seines Lebens. Er sagt: „Multiple Sklerose Patienten haben einen höheren Verbrauch an Vitamin D, somit war es sinnvoll „näher an die Sonne“ zu ziehen“. Heute lebt er in Südafrika, mit dem Meer vor der Tür, in dem er regelmäßig baden geht.

Inzwischen weiß Christoph immer besser was ihm gut tut – der Verzicht auf Getreide und vor allem Milchprodukte hilft ihm, aber auch Schwimmen im eiskalten Meer so wie mehr Freizeit und weniger Stress und Arbeit als in seiner Zeit in Deutschland.

In seiner eigenen Praxis behandelt er nun Menschen, die entsprechend seine Unterstützung suchen – vor allem bei einer Autoimmunerkrankung rät er als ersten Schritt zur Besserung zu einer strengen Paleo Challenge (auch kein Ghee!). Viele Patienten sehen bereits nach relativ kurzer Zeit positive Veränderungen.

Auch wenn es ihm heute viel besser geht, geheilt hat ihn weder Paleo noch andere alternative Behandlungsmethoden. Beispielsweise verspürt Christoph immer noch ein Kribbeln in den Fingern. Um auszutesten ob er seinen Gesundheitszustand weiter verbessern kann, hat er sich an das Autoimmunprotokoll herangetraut. Laut eigener Aussage ist er inzwischen zum AIP Chefkoch geworden!

Was denkst du, in welchem Maß hat die Ernährung einen Einfluss auf die Entwicklung und Remission von Autoimmunkrankheiten? Hast du bereits positive Erfahrungen mit einer Ernährungsumstellung gemacht?

Du möchtest mit dem Paleo Autoimmunprotokoll deine Gesundheit verbessern, aber die Durchführung erscheint dir zu schwierig? Sicher dir unseren AIP Support und wir begleiten dich 12 Wochen lang – mit einem eigenen Kochbuch E-Book, wöchentlichen Ernährungsplänen, Einkaufslisten und allen wesentlichen Infos. Es wird lehrreich, lecker und lustig. Wir helfen dir beim Durchhalten.

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Geschrieben von Anja

Anja ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich schon eine Weile mit dem Paleo-Lebensstil, welcher ihr mehr als nur Energie für Alltag und Sport bringt. Sie weiß, Paleo birgt für jeden die Möglichkeit seine individuelle Ernährung zu finden - mit dem Ziel eines neuen Körpergefühls und langfristiger Gesundheit. Und genau das ist ihre Motivation ihr Wissen an andere weiterzugeben.
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5 Kommentare

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  1. post8 //

    Lisa schreibt: „Möge jeder, der was für seine Gesundheit tun möchte, wieder die Kraft und die Begeisterung dafür finden, den nötigen Takt und die Noten zu erlernen, die das Leben lebenswert machen.“

    Ganz, ganz toll geschrieben – Danke. Macht mir wieder Mut.

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  2. Kati //

    Hallo Zusammen,
    ich finde diesen Bericht sehr interessant und auch hilfreich.
    Ich bin selbst betroffen von MS. Ich habe das Buch von Frau Wahls gelesen und muss sagen, dass sie mich wirklich sehr aufgebaut hat. Ich konnte es kaum fassen, was sie für Erfolge erreichen konnte. Sofort habe ich die Ernährung umgestellt und seit ich komplett auf industriellen Zucker und alle künstlichen Zusätze in Lebensmitteln umgehe – alles frisch und selbst zubereite geht es mir so viel besser. Ich kann nur jedem der auch betroffen ist raten, die Ernährung sofort umzustellen. Mein Ziel ist es durch die Ernährung die Krankheit im Zaum zu halten, und einen schlimmeren Verlauf (wie ihn mir bisher jeder Arzt vermittelt hat, weil meine Erkrankung wohl absolut aggressiv sein soll) zu verhindern.
    Bisher habe ich großen Erfolg damit. Ich nehme auch keine Medis mehr und trotzdem ging es mir nie besser.
    Ich finde es sehr schade, dass die Schulmedizin den Bereich Ernährung bei MS so außer Acht lässt.
    Ich wünsche allen Betroffenen ganz viel Kraft und alles Gute!
    Liebes Paleo360-Team – ich finde euren Blog super. Weiter so!

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    • Lisa //

      Es ist sehr schön, weitere positive Erfahrungen zu lesen, die auch fern ab der Schulmedizin, mit gesundem Lebensstil – vor allem Ernährungsumstellung- wieder auf die Beine kommen und denen es gut geht. Alles Liebe, Kati :)

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  3. Günter //

    ….Paleo ist eine anti-inflammatorische Ernährung und unterstützt den Körper und das Immunsystem dabei, Entzündungen im Körper zu lindern,…
    Frage mich, wieso man dann in manchen Paleo-Kochbücher Schweineschmalz zum Braten empfiehlt? In keinem Lebensmittel ist mehr Arachidonsäure enthalten. Arachidonsäure entsteht aus Omega6 und fördert Entzündungen.

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    • Lisa //

      Herzlichen Dank für den gut recherchierten Artikel! Ich hoffe, es erreicht viele Betroffene, die die nötige Disziplin und denn Willen haben, etwas in ihrem Leben zu ändern. Ich bin selber seit fast 8 Jahren von MS betroffen, lebe seit 2 Jahren nach Paleo und mir geht es sehr gut! Natürlich muss man immer sehr individuell schauen, aber zu behaupten, MS sei unheilbar, ist eine Mutmaßung und grenzt meiner Meinung nach an einer überholten und nicht- berechtigten These, die nicht zuletzt dafür sorgt, dass Betroffene sich zu schnell aufgeben und keinen Ausweg mehr sehen. Durch Änderung vieler Lebensstilmaßnahmen gibt es immer mehr Fälle, in denen die MS gestoppt, oder gar rückläufig gemacht werden kann. Zu behaupten, ein Mensch sei unheilbar krank, ist demnach so, als wenn man eine Geige als unspielbar deklarieren würde, nur weil man keine Noten lesen kann. Unsere Körper sind Meisterwerke! Man darf niemals das Vertrauen und den Glauben in seinen Körper verlieren. Dies ist u.a. neben der Ernährung, Bewegung, Sport, Vitamin D, einem gesundem Mikobiom und einer intakten Darmschleimhaut, sehr wichtig. Möge jeder, der was für seine Gesundheit tun möchte, wieder die Kraft und die Begeisterung dafür finden, den nötigen Takt und die Noten zu erlernen, die das Leben lebenswert machen.

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