Morbus Crohn – so kann die Ernährung helfen

Krawall im Darm – kürzer und treffender kann man Morbus Crohn kaum beschreiben. Dabei ist die Krankheit nicht nur chronisch und schmerzhaft, sondern kann auch das soziale Leben und die Psyche belasten.

Wir haben eine unserer Leserinen nach ihren Erfahrungen mit der Krankheit gefragt. Julias Alltag wurde von Schmerzen und Durchfall begleitet – auch sie bekam vor einigen Jahren die Diagnose Morbus Crohn. Spontane Unternehmungen wie Kinobesuche stellten sie vor große Herausforderungen, gemeinsames Essen mit Freunden konfrontierte sie mit mehreren Problemen – und immer hielt sie Ausschau: Nach den nächsten Toiletten.

Inzwischen hat Julia ihr “Cröhnchen” im Griff – nachdem sie den Ernährungsratschlägen ihrer Freundin vertraute.

Morbus Crohn gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED – engl. Inflammatory Bowel Disease IBD)Morbus Crohn wird in der Medizin als eine Autoimmunerkrankung beziehungsweise als eine Barrierestörung der Darmschleimhaut (Leaky Gut) bezeichnet. In Deutschland leiden offiziell etwa eine halbe Million Menschen an der Krankheit.

Ernährung bei Morbus Crohn

10-20 mal pro Tag auf der Toilette? Für Morbus Crohn Patienten die Realität

Heilung ist mit den derzeitigen Mitteln der Schulmedizin nicht möglich. Und der Einfluss der Ernährung und des Lebensstils wird von vielen Medizinern und auch Patienten unterschätzt.

Bekommt man die Diagnose Morbus Crohn, berichtet Julia, wird man selten darüber informiert, welchen Einfluss die Ernährung und die Lebensweise auf das Immunsystem und die Entzündungsreaktion im Darm haben können.

Oft bekommen Patienten zu hören – “Essen Sie was Ihnen gut tut”. Uneindeutiger und weniger hilfreich geht es wohl kaum.

In diesem Artikel erfährst du:

  1. Die Symptome und Ursachen von Morbus Crohn.
  2. Was für Therapiemöglichkeiten es gibt. 
  3. Warum die Ernährung so ein wichtiger Faktor ist.

Morbus Crohn Symptome – so äußert sich die Darmentzündung

Morbus Crohn ist eine entzündliche Veränderung der Darmschleimhaut, die den ganzen Darm (vom Mund bis zum After) betreffen kann. Häufig tritt die Krankheit erstmalig im Alter von 15-35 Jahren auf – aber sowohl eher als auch später können erstmalig Beschwerden auftreten.

Wie es bei vielen Krankheiten der Fall ist, ist Morbus Crohn selten plötzlich da, sondern kann sich über einen längeren Zeitraum entwickeln. Auslöser wie besonders stressreiche Lebenslagen können dazu beitragen, dass die Krankheit ausbricht und sich durch heftige Symptome bemerkbar macht.

Zu den ersten Anzeichen zählen:

  • Durchfälle
  • Blähungen
  • starke Bauchschmerzen
  • Krämpfe
  • häufig wässrige und schleimige Durchfälle
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Fieber

Die ersten Symptome sind eher allgemein und unspezifisch –  selten bringt man sie gleich mit einer entzündlichen Darmerkrankung in Verbindung. Je fortgeschrittener die Erkrankung, umso stärker und chronischer werden die Symptome.

10 – 20 mal am Tag auf der Toilette sitzen – oft Normalität für einen Morbus Crohn Patienten.

Die Entzündung schädigt die Darmzellen, so dass neben der Nährstoffaufnahme auch die Wasseraufnahme im Darm beeinträchtigt ist – das erklärt den Durchfall. Je nachdem welcher Teil des Verdauungstraktes von den Entzündungen betroffen ist, können Nährstoffe (besonders häufig Vitamin B12 und Eisen) weniger gut aufgenommen werden. Durch die immer wiederkehrenden – schubweise auftretenden – Entzündungen kommt es zu einer dauerhaften Schädigung der Schleimhäute im Magen-Darm Bereich.

Besteht die Krankheit seit mehreren Jahren kann es zu eitrigen Abszessen, Fisteln oder Fissuren kommen. Die Komplikationen im Magen-Darm-Bereich klingen schmerzhaft – und sind es auch. Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, umso stärker kann es zu Engstellen im Darm kommen, die zu Darmverschlüssen (Stenosen) führen. Viele dieser Komplikationen werden operativ behandelt, um den Patienten vor schlimmeren Folgen wie einer Sepsis (Blutvergiftung) zu schützen.

Diagnose von Morbus Crohn

Leidest du oder jemand aus deinem Umfeld häufiger und regelmäßig an den Symptomen von Morbus Crohn? Kontaktiere in diesem Fall unbedingt einen Facharzt (Gastroenterologen)!

Dieser wird sich (hoffentlich) ausführlich deiner Vorgeschichte widmen und dich körperlich untersuchen. Das Abtasten des Bauches (auf Schmerzempfindlichkeit und Verhärtungen), Aufnahme von Blutdruck, Puls und Körpertemperatur sowie Körpergröße und Gewicht (um eventuellen Gewichtsverlust zu kontrollieren) werden ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung sein.

Eine Stuhlprobe, das Blutbild (gibt Aufschluss über Entzündungsprozesse und Nährstoffmängel), eine Darmspiegelung, Ultraschall und MRT werden weiterhin zur Diagnose genutzt. Die Krankheit Morbus Crohn zeigt sich unterschiedlich und kann bei jedem Betroffenen anders verlaufen. Das macht die Diagnose Morbus Crohn oft schwierig.

Bei Autoimmunkrankheiten können typischerweise bestimmte Autoantikörper nachgewiesen werden – in Morbus Crohn Patienten ist das jedoch nur bei etwa 20 % der Fall. Dennoch wird Morbus Crohn weiterhin als eine Autoimmunerkrankung klassifiziert, obwohl immer mehr davon ausgegangen wird, dass es sich bei der Erkrankung um eine Barrierestörung des Darms handelt.

Ursachen von Morbus Crohn

Morbus Crohn ist genetisch bedingt- aber erst im Zusammenhang mit einem oder mehreren Umweltfaktoren und anderen Einflüssen, kann sich die Krankheit entwickeln.

Du ernährst dich falsch, du bewegst dich zu wenig, du rauchst, du trinkst Alkohol, du achtest nicht auf dich – den oder anderen Vorwurf hat sich der ein oder Morbus Crohn Patient schon selber gemacht oder sich angehört. Welche Faktoren jedoch zum Ausbruch und zu Schüben des Morbus Crohn beitragen ist nicht abschließend geklärt, wahrscheinlich ist es ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren.

Die Faktoren können sein:

  • Infektionen (mit bestimmten Bakterien, Viren, Parasiten)
  • chronischer Stress (durch Arbeit, Alltag, Familie, Trennungen, Todesfälle, Sport – aber auch positive Stressereignisse wie Heirat, Urlaub, …)
  • chronische Toxinbelastung (mit einer Vielzahl von Umweltgiften, Schwermetallen, Schimmel..)
  • jahrelange ungünstige Ernährung (unzureichende Nährstoffzufuhr, beeinträchtige Darmgesundheit)
  • Vitamin D Mangel ist besonders häufig – hier kann die geographische Herkunft wichtig sein, im Norden (weniger Sonne) treten mehr Autoimmerkrankungen auf
  • alle Faktoren, die das Mikrobiom (die Darmbakterien) und die Darmgesundheit ungünstig beeinflussen

Die Faktoren deuten darauf, dass insbesondere die Darmgesundheit bei der Entstehung einer Autoimmunerkrankung eine entscheidende Rolle spielen kann – und wie eben erwähnt zu einer beeinträchtigen Darmbarriere führen können (umgangssprachlich auch Leaky Gut Syndrom genannt)

Gluten und verwandte Proteine, Zucker, verarbeitete Lebensmittel, die mit Konservierungsmitteln und Süßungsmittels anreichert sind, ballaststoffarme und nährstoffarme Ernährung, Pestizide und andere Toxine – all das kann das Darm-Mikrobiom und die Barrierefunktion des Darms beeinflussen und zum Ausbruch einer Autoimmunerkrankung beitragen.

Normalerweise bildet sich eine Schutzschicht (Mucinschicht) über den Zellen der Darmschleimhaut und schützt diese vor größeren Nahrungsbestandteilen und Bakterien. Bei Morbus Crohn Patienten geht man davon aus, dass die Darmbarriere und die Bildung sogenannter Defensine (bestimmter Abwehrstoffe der Darmschleimhaut) beeinträchtigt sind. Damit erreichen Stoffe die Darmzellen, die da eigentlich nicht hingehören  – worauf der Körper mit einer Entzündungsreaktion reagiert.

Während die konventionelle Medizin Medikamente parat hat, um die Entzündungsreaktion zu beeinflussen, kann ein anderer (funktioneller) Ansatz sein, die Entzündung zu beeinflussen UND die Darmbarriere und das Darm Mikrobiom wieder aufzubauen – und damit der Ursache der Erkrankung ein Stück näher auf den Grund zu gehen.

Hier unterscheiden sich also die Therapieansätze der konventionellen und funktionellen Medizin.

Die Therapie eines Morbus Crohn

Medikamente, die in Morbus Crohn Patienten eingesetzt werden, sollen Beschwerden und Entzündungsprozesse lindern, sowie Anzahl der Schübe verringern und verkürzen.

Je nach dem wie schwer die Erkrankung ist und welche Teile des Verdauungstraktes betroffen sind, wird die Behandlung bestimmt.

Typischerweise kommen folgende Medikamente zum Einsatz:

  • Aminosalicylate
  • Cortikosteroide
  • Immunomodulatoren
  • Biologische Therapien (Antikörper z.B. gegen das Protein TNF alpha)

Während die Medikamente bei akuten Schüben absolut notwendig sind, ergeben sie langfristig oft weniger Sinn. Oft ist eine Besserung der Symptome zu erwarten, die aber leider oft auch mit einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden ist. Patienten berichten, dass zum Teil die Nebenwirkungen sogar beeinträchtigender sein können, als die Symptome der Krankheit selbst.

Immer bekannter wird der Einfluss von Probiotika – auch diese können Abhilfe schaffen und zur Linderung von Symptomen beitragen. Welches Präparat sinnvoll ist, sollte unbedingt mit professioneller Hilfe festgelegt werden.

Noch sehr experimentell in der Behandlung bei entzündlichen Darmerkrankungen sind Stuhltransplantationen. Hier wird das darmeigene Mikrobiom gegen das eines Spenders (oft jemand aus der Familie) ausgetauscht. Das Verfahren scheint zwar zu wirken, ist aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen – da mit den Darmbakterien auch das Risiko für weitere Krankheiten übertragen werden kann.

Ist der Darm stark entzündet, das Gewebe äußerst beschädigt und droht abzusterben, ist eine Operation oft die einzige Möglichkeit. So verhindert man, dass durch die Entzündung die Darmwand so “porös” wird, dass sie “durchbrechen” kann – im Fachjargon perforieren genannt.

Je nachdem wie viel Darm bereits in vorherigen Operationen entfernt wurde, kann mit der Zeit eine Magensonde oder ein Stoma (künstlicher Darmausgang) notwendig sein.

Doch muss man es so weit kommen lassen?

Wurdest du von deinem Arzt von der Option aufgeklärt, dass auch die Ernährung und der Lebensstil einen Einfluss auf deinen Morbus Crohn haben?

Besserung der Symptome durch die Ernährung möglich?

Spielt das Immunsystem verrückt kann die Ernährung eine bedeutende Rolle spielen, die Entzündung im Darm zu lindern und das Immunsystem wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Ärzte sind nun mal keine Ernährungsspezialisten – aber mit dem Satz “Essen Sie, was Ihnen gut tut” während ein weiteres anti-entzündliches Medikament oder Immunsuppressor aufgeschrieben wird, muss man sich nicht abspeisen lassen.

Herauszufinden welche Lebensmittel dir gut tun, ist nicht einfach – es erfordert viel testen, aufschreiben und anpassen der täglichen Ernährung. Julia hat einen einfacheren Weg gefunden und es geschafft mit der Paleo Ernährung ihre Darmerkrankung in den Griff zu bekommen. Sie hat weniger Schübe, braucht weniger Medikamente – und genießt ein unbeschwerteres Leben.

Die Paleo Ernährung, bestehend aus Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Kräutern und gesunden Fetten  ist nährstoff- und abwechslungsreich und verzichtet auf das für viele Menschen darmschädigende Getreideeiweiß Gluten, das Milcheiweiß Casein, Laktose und weitere ungünstige Inhaltsstoffe aus Hülsenfrüchten.

Wer sich nicht nur auf den schulmedizinischen Ansatz verlassen möchte, kann mit einer Ernährungsumstellung einiges an Lebensqualität gewinnen.

Morbus Crohn Patienten haben den Verlauf der Krankheit in der Hand. Starte mit der 30 Tage Challenge oder nimm die Herausforderung des Paleo-Autoimmunprotokolls (AIP) an.

Denn: Auch wenn die Paleo Ernährung bereits relativ antientzündlich und auch reizarm is, können weitere Lebensmittel Probleme bereiten. Dazu zählen Eier, Nüsse und bestimmte Gemüsearten wie Paprika, Tomaten, Auberginen und Kartoffeln (Nachtschattengewächse). All diese werden für eine gewisse Zeit (einer Eliminationsphase) im Autoimmunprotokoll ausgeschlossen und dann kontrolliert wieder eingeführt.

Mit dem Umstieg auf die Paleo Ernährung oder das AIP kannst du nur gewinnen: an Geschmack, Wohlbefinden und Lebensqualität, trotz chronisch entzündlicher Darmerkrankung.

Wir begleiten dich – für 12 Wochen per E-Mail. Für alle geeignet, die an einer Autoimmunerkrankung (wie Hashimoto, Multiple Sklerose, Morbus Bechterew) leiden und ihre Ernährung auf das Paleo Autoimmunprotokoll umstellen wollen. Passende Rezepte, jede Menge Tipps und Aufgaben, die dich dabei unterstützen deinen Lebensstil zu ändern.

Welche Erfahrungen hast du mit Morbus Crohn und dem Einfluss der Ernährung gemacht? Hast du bereits das Autoimmunprotokoll (AIP) ausprobiert?

Wir danken Julia, Leserin von Paleo360.de, dass sie ihre Geschichte und Erfahrungen mit uns geteilt hat.

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Geschrieben von Anja

Anja ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich schon eine Weile mit dem Paleo-Lebensstil, welcher ihr mehr als nur Energie für Alltag und Sport bringt. Sie weiß, Paleo birgt für jeden die Möglichkeit seine individuelle Ernährung zu finden - mit dem Ziel eines neuen Körpergefühls und langfristiger Gesundheit. Und genau das ist ihre Motivation ihr Wissen an andere weiterzugeben.
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5 Kommentare

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  1. Martin //

    Hi, ich habe schon vor Jahren die Diagnose MC erhalten und zeitweise richtig mit den Symptomen zu kämpfen gehabt. Stress oder nervliche Belastungen haben anscheinend sehr dazu beigetragen und haben immer noch Einfluss. Seit November ernähre ich mich (weitestgehend) Paleo conform und habe eine deutliche Verbesserung festgestellt. Da ich noch nicht das AIP probiert habe, könnte ich mir vorstellen dass noch bessere Erfolge machbar sind. Soweit also schon mal vielen Dank an das Team.. und frohe Ostern

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  2. Michael //

    Hi Anja,

    vielen Dank für Deinen Artikel. Ich bin immer wieder froh, wenn ich Artikel zu Krankheitsbildern lese, die nicht nur medizinisch beleuchtet werden, sondern wo gesunde Alternativen gesucht/angeboten werden.

    Als Ernährungsberater & Mentaltrainer, schicke ich meine Kunden zwar zur Sicherheit auch parallel zum Facharzt, doch ist die eher zur Beruhigung der Kunden. Es gibt kaum ein Krankheitsbild, das man mit der richtigen Mentalarbeit als Basis, plus Ernährung & Bewegung nicht heilen, bzw. stark reduzieren kann.

    Ganz liebe Grüße

    Michael | Ernährungsberater & Mentaltrainer

    Antworten
    • Anja Wagner //

      Hallo Michael,

      danke für das Feedback, liest man gerne :) Viel Erfolg weiterhin bei deiner Arbeit, klingt nach einem tollen Ansatz für Kunden.

      LG, Anja

      Antworten
    • Anja Wagner //

      Hallo Nicole, stimmt – das kann helfen. Vor allem um Linderung zu schaffen und zu regenerieren. Langfristig würde ich empfehlen auch fodmapreichere Lebensmittel wieder in die tägliche Ernährung einzuführen.

      LG, Anja

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