Diagnose Hashimoto: Symptome und Ursachen

Klein, unscheinbar und nur etwa 20 g schwer – das ist eines der geschäftigsten hormonproduzierenden Organe im Körper: die Schilddrüse. Trotz ihrer geringen Größe bewirkt sie Großes im Körper.

Leidest du oder dein Partner, Familie, Freunde oder Bekannte an einer Schilddrüsenerkrankung?

Wir haben das Gefühl, dass zumindest in unserem Freundes- und Bekanntenkreis Schilddrüsenprobleme, insbesondere Hashimoto, immer häufiger auftreten – aber von Ärzten oft „stiefmütterlich“ behandelt werden.

Wir informieren dich über über die Symptome und Diagnose von Hashimoto genauer – damit du oder dein Umfeld für den nächsten Arztbesuch mit mehr Wissen gewappnet ist.

So können Symptome besser formuliert und zusammen mit dem Arzt die Diagnose und Therapiemöglichkeiten klarer gestellt werden. Das Ziel: langfristiges Wohlbefinden derer, die an Hashimoto leiden.

Du interessiert dich für die Grundlagen des Schilddrüsenstoffwechsels und der Autoimmunerkrankung Hashimoto? Lies dir gerne dazu unseren Artikel Hashimoto-Thyreoiditis durch.

Hashimoto Symptome

Frieren, Gewichtsschwankungen, Depressionen: Hashimoto Symptome sind vielfältig

In diesem Artikel erfährst du

    1. Mit welchen Symptomen sich Hashimoto bemerkbar machen kann.
    2. Warum es so schwierig ist, eine korrekte Diagnose zu stellen.
    3. Welche Parameter zur Diagnose hilfreich sind – und wie man mit der Diagnose umgehen kann.

Hashimoto Symptome – so vielfältig sind sie

Hashimoto Thyreoiditis – eine Autoimmunerkrankung – ist gekennzeichnet durch ein entzündetes Schilddrüsengewebe, unzureichende Hormonproduktion und meistens durch das Vorkommen bestimmter Antikörper im Blut. Diese Merkmale können für die Diagnose genutzt werden.

Oftmals beginnt die Krankheit mit einer Überfunktion der Schilddrüse, die allmählich in eine stärker werdende Unterfunktion übergeht.

Besteht eine Überfunktion der Schilddrüse treten unter anderem allgemeine Symptome wie Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, erhöhter Blutdruck und Neigung zum Schwitzen auf.

Die Dauer und Intensität der Überfunktion ist im Verlauf von Hashimoto oft relativ gering und geht anschließend meistens in eine Unterfunktion der Schilddrüse über – da immer mehr Gewebe durch die Entzündung „zerstört“ wird.

Hashimoto äußert sich daher vor allem durch klassische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Die Beteiligung des Immunsystems, so wie Begleiterkrankungen (oftmals weitere Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie, Vitiligo/Weißfleckenkrankheit oder Diabetes Typ1) können sich auch in Symptomen äußern, die auf den ersten Blick nicht typisch für eine Schilddrüsenentzündung sein müssen.

Häufige Symptome einer Hashimoto Thyreoiditis sind:

  • Energielosigkeit, Antriebsmangel, häufige (unerklärliche) Erschöpfung
  • unerklärliche Verstimmungen, Depressionen, Angst- und Panikstörungen
  • Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Denkblockaden
  • Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen
  • Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Schwitzen, Frieren
  • Gewichtszunahme, Fettansatz am Bauch
  • Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme)
  • trockene Haut, Allergische und entzündliche Hauterkrankungen (Dermatitis herpetiformis, Rosacea u.a.)
  • Haarausfall
  • Herzstolpern, Herzjagen, Herzpochen,
  • Enge- und Beklemmungszustände beim Einatmen
  • beeinträchtigte Hörfähgkeit

Die Unterfunktion der Schilddrüse äußert sich vor allem in Konzentrationsschwächen und Müdigkeit. Zudem frieren Betroffene leichter, da der Stoffwechsel sich schlechter auf Kälte einstellen kann.

Üblicherweise nehmen Hashimoto-Betroffene zu, obwohl sie vergleichsweise normal essen. In seltenen Fällen kann aber auch Gewichtsverlust bei ausreichender oder sogar vermehrter Nahrungsaufnahme auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen.

Insbesondere für Frauen mit Hashimoto ungünstig: Auftretende Zyklusstörungen und eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit machen den Kinderwunsch zu einer Belastungsprobe. Auch die Lust auf Sex (Libidomangel) kann herabgesetzt sein.

Erkennst du dich in den Symptomen wieder? – Wir haben dir Fragen und Tipps für den Arztbesuch zusammengestellt.

Hashimoto – was macht die Diagnose und Behandlung so schwer?

Allgemein gilt Hashimoto als eine Erkrankung deren Ursachen und Auslöser unbekannt sind.

Erst wenn bei einer Schilddrüsenentzündung auch eine Unterfunktion festgestellt wird (meist mit Hilfe der Bestimmung des TSH-Wert), wird Hashimoto behandelt: mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform.

Die Standardtherapie einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion (beispielsweise durch Jodmangel hervorgerufen) und Hashimoto unterscheidet sich in diesem Fall nicht – was für den Patienten mit Hashimoto ungünstig ist, da es einen Unterschied macht. Denn Hashimoto ist eine Erkrankung des Immunsystems – und nicht der Schilddrüse.

Hashimoto-Betroffene klagen mitunter trotz Medikamenteneinnahme und normaler Blutwerte weiter über schmerzende und steife Gelenke, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, leichte Angstgefühle und Gereiztheit.

Die Probleme werden statt Hashimoto gegebenenfalls sogar psychosomatischen Ursachen zugeordnet. Sonstige Behandlungsoptionen werden oftmals nicht in Betracht gezogen.

Man kann es nicht oft genug sagen: Da Hashimoto eine Erkrankung des Immunsystems, und nicht der Schilddrüse ist, kann man davon ausgehen, dass eine Behandlung einer formalen Schilddrüsenunterfunktion nicht zur Lösung des Problems der Krankheit beitragen wird.

Hashimoto tritt des Weiteren häufig mit weiteren (Autoimmun)-Erkrankungen auf – wie Zöliakie, Diabetes Typ 1, Colitis Ulcerosa, Vitiligo oder dem PCO-Syndrom – was sich in weiteren, unspezifischen Symptomen äußern kann.

Wir geben einen Überblick über die Diagnose-Parameter, die der Arzt nutzen kann, um Hashimoto auszuschließen oder zu diagnostizieren und gegebenenfalls eine passende Behandlung einzuleiten.

Die typischen Diagnose-Parameter

Folgende Schilddrüsenparameter können zur Diagnostik genutzt werden:

  • TSH-Wert
  • T3/freies T3
  • T4/freies T4
  • rT3
  • Antikörper -Titer gegen das Enzym TPO
  • Antikörper-Titer gegen das Protein Tg

Weisen Symptome auf eine Schilddrüsenerkrankung hin, wird oftmals zuerst der TSH-Wert bestimmt. TSH steuert die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Ist die Schilddrüse nicht in der Lage ausreichend Hormone zu bilden, steigt der TSH- Wert unnatürlich an.

Typischerweise sind bei einer Hashimoto-Thyreoditits der TSH-Wert erhöht und die Werte für freies T3 und T4 erniedrigt. Idealerweise sind die Antikörper-Werte gegen das Enzym TPO und gegeben falls das Protein Tg positiv.

Die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse ist ein wichtiger Parameter um Hashimoto zu diagnostizieren. Mit der Untersuchung können bereits von Beginn der Erkrankung veränderte Gewebestrukturen aufgenommen werden. Je mehr Entzündungsherde in der Schilddrüse vorhanden sind, umso ausgeprägter sind die Veränderungen, welche im Ultraschallbild als „echoarme“ Strukturen erkennbar sind.

Desweiteren kann die Größe (das Volumen) der Schilddrüse bestimmt werden. Je fortgeschrittener die Entzündung im Rahmen von Hashimoto, umso geringer das Volumen der Schilddrüse (In seltenen Fällen kann sich die Schilddrüse auch aufblähen, während sie ihre Funktion verliert).

Was die Diagnostik so schwierig macht

Der Normbereich für den TSH-Wert ist auf den meisten Laborzetteln bei etwa 0,4-4,0 mIU/l (von Labor zu Labor etwas unterschiedlich).

Neuere Empfehlungen von Fachärzten grenzen den optimalen (funktionellen) Bereich auf 0,5-2,0 mIU/l ein.

Hast du zum Beispiel Beschwerden und einen TSH-Wert von 3,0 – wirst du nach alter Norm, trotz typischer Symptome, möglicherweise als „gesund“ dargestellt. Bezieht man sich auf den neuen (funktionellen) Bereich für den TSH-Werte erkennt man, dass eine mögliche Schilddrüsenunterfunktion vorhanden sein kann. Und damit eine wahrscheinliche Erklärung für dein Unwohlsein.

Zu Beginn der Erkrankung sind auch nicht immer die Autoantikörper über den Titer nachweisbar. Erst wenn Schilddrüsenzellen zunehmend absterben und den Zellinhalt freigeben, reagiert das Immunsystem mit der Antikörperbildung gegen die zelleigenen Bestandteile.

Nicht alle Betroffene, deren TPO-Antikörper-Titer im Blut haben erhöht ist, haben auch erhöhte Tg-Antikörper-Titer (und andersherum). Niedrige Antikörper-Titer können auch bei Gesunden im Blut zu finden sein. Bei einem sogenannten „seronegativen Hashimoto“ können keine erhöhten Antikörper im Blut gemessen werden.

Daraus folgt: Ein eindeutiger Nachweis einer Hashimoto-Thyreoiditis ist somit allein anhand der Antikörper nicht möglich.

Weitere Diagnose-Parameter

Sinnvoll kann es weiterhin sein bestimmte Mikronährstoffmängel auszuschließen und den Entzündungsstatus mit bekannten Parametern zu überprüfen – somit können gegebenenfalls Aussagen zu deinem Immunsystem getroffen werden.

Als zu messende Parameter eignen sich unter anderem:

  • Selen und Zink (intrazellulär in Erythrozyten)
  • 25-OH-Vitamin D3 im Serum
  • Ferritin (Eisenspeicher)
  • B-Vitamine

Auch Entzündungsparameter können bestimmt werden: Die bekanntesten sind der hs-CRP (hochsensitiv gemessenes C-reaktives Protein) und TNF-alpha-Wert.

Hashimoto hat oft neben der Schilddrüse Auswirkungen auf andere Organe. Zudem liegen in rund einem Viertel der Fälle autoimmune Begleiterkrankungen vor. Von daher kann die Untersuchung weiterer Organe, wie dem Darm sowie Herz, Leber, Nieren oder Nebennieren sinnvoll sein.

Die Diagnose Hashimoto kann wahrscheinlich nicht nur anhand eines Parameters gestellt werden – ein Scoring-System kann von Vorteil sein. Denn auch die Vorgeschichte und Lebensumstände können immer Einfluss auf die Erkrankung haben.

Was tun wenn Hashimoto diagnostiziert wurde?

Der beste Weg um Hashimoto (ebenso wie andere Krankheiten) zu behandeln ist eine akkurate Diagnose. Einen Ansatzpunkt für die Ursache von Hashimoto zu haben vereinfacht die Therapie, wobei diese oftmals schwer zu finden ist: Hashimoto ist eine komplexe und multifaktorielle Krankheit.

Da auch gute Ärzte nicht unfehlbar sind, kann es für dich hilfreich sein, sich das nötige Hintergrundwissen zur Krankheit anzueignen und in Zusammenarbeit mit dem Arzt eine Diagnose und eventuell einen Therapieplan zu erarbeiten.

Bei der Behandlung von Hashimoto sollte es in erster Linie darum gehen, dass sich die Symptome bessern und du dich wohler fühlen kannst. Eine Verbesserung der typischen Laborwerte ist für dieses Ziel meist nicht ausreichend.

Hashimoto ist nach dem derzeitigen Wissensstand nicht heilbar, jedoch häufen sich zunehmend Berichte, bei denen die Krankheit in Remission gebracht werden konnte.

Die Erkenntnis, dass der Verlauf der Krankheit auch durch eine Lebensstiländerung positiv beeinflusst werden kann, konnte sich noch nicht durchsetzen – Zeit das zu ändern!

Vor allem zu Beginn der Krankheit kann es möglich sein, das Fortschreiten der Krankheit zu beeinflussen und gegebenenfalls Medikamente nach einiger Zeit zu verringern oder sogar abzusetzen. Diese Entscheidung sollte am besten mit einem behandelnden Arzt getroffen werden.

Dr. Kharazzian – ein amerikanischen Arzt mit längjähriger Erfahrung in der Behandlung von Hashimoto-Patienten – formulierte


Die Ernährung ist der erste Schritt um die Schilddrüsenentzündung zu adressieren.


Da kommt Paleo ins Spiel. In einem weiteren Artikel betrachten wir genauer, wie man sein Wohlbefinden mit der Ernährung beeinflussen kann.

Hast du Erfahrungen mit der Diagnose Hashimoto? Welche Werte waren für die Diagnose ausschlaggebend?

Berichte uns gerne davon in den Kommentaren!

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Geschrieben von Anja

Anja ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich schon eine Weile mit dem Paleo-Lebensstil, welcher ihr mehr als nur Energie für Alltag und Sport bringt. Sie weiß, Paleo birgt für jeden die Möglichkeit seine individuelle Ernährung zu finden - mit dem Ziel eines neuen Körpergefühls und langfristiger Gesundheit. Und genau das ist ihre Motivation ihr Wissen an andere weiterzugeben.
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5 Kommentare

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  1. Daniela //

    Hallo zusammen,

    vielleicht eine blöde Frage, aber ich weiß nicht mehr weiter.
    Ist es denn möglich, an Hashimoto zu leiden, obwohl Blutergebnisse sowie Ultraschalluntersuchung in der Endokrinologie dies verneinen?
    Laut Endokrinologe bin ich mit den Medis seit Jahren von der Hausärztin richtig eingestellt.. An den Symptomen einer SD-Unterfunktion ändert sich aber nichts..
    Vielen Dank!

    Antworten
  2. Inka Leuschner //

    Hallo!
    Ich bin begeistert, wie gut ihr über Hashimoto Bescheid wisst. Ich bin gerade in der Diagnosephase. Mein bisheriger Hausarzt hat das alles nur auf’s Seelische abgeschoben und wollte mir Psychopharmaka geben („ein TSH-Wert von 3,1 ist ganz normal“…). Ich habe jetzt eine bessere Ärztin gefunden, die mich nun zum Endokrinologen schickt. Eine gesunde Ernährung ist auf alle Fälle wichtig (gesunder Darm, Blutzuckerspiegel, nicht so viel Jod usw). Ich bin jetzt optimistisch, dass mir geholfen wird.

    Antworten
    • Anja Wagner //

      Hallo Inka,

      freut uns, dass du eine bessere ärztliche Beratung gefunden hast! Berichte gerne, wie es bei dir weitergegangen ist und wie und ob die Ernährung einen Einfluss auf deinen Hashi hat.

      LG, Anja

      Antworten
  3. Janne //

    Ganz wichtig: Die Schilddrüsewerte sollte immer vormittags ermittelt werden, da der TSH nachmittags grundsätzlich immer tiefer ist als am frühen Vormittag und so mancher dann durch das Raster fällt.

    Und noch was. Nicht immer zeigt der TSH die Versorgungslage an. Daher sollte man immer auf die Bestimmung aller Schilddrüsenwerte bestehen. Also auch fT3 und fT4.

    Aber auch hier gilt: Normal sind eher Werte im oberen Drittel, bei fT3 und fT4. Ganz gerne werden diese Werte auch ignoriert.

    Bei älteren Personen kommt es zu einer altersbedingten Hypohysenschwäche. Die Hypophyse schüttet das TSH aus. D. h. Mischformen werden im Alter noch später erkannt und alterbedingte Unterversorgung gar nicht therapiert.

    Mängel, Medikamente und lange Unterversorgung können auch zu einem falsch niedrigem TSH führen.

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